• Susanne Rohner

farbundsinn - Sinn oder Unsinn?

Aktualisiert: Juni 8


Kinder und Erwachsene malen im Malraum anders. Wir sind sehr von der Schule geprägt, die immer gute RESULTATE fordert. Unsere innere Stimme weist uns lebenslänglich darauf hin. Im Malraum gibt es keine Vorgabe. Deshalb weist die Zeichnung eines Kindes im Malraum völlig andere Merkmale auf, als in der Schule. Das gehört zu den Darstellungsphänomenen dieses Ortes.

Hier gelten folgende Regeln:

Jede/r Malende malt für sich (Kinder sollen nicht andere nachmachen), man kommentiert die anderen Bilder nicht, wenn ein Bild fertig ist, malt man das nächste, die Bilder werden nicht bewertet oder verglichen, sie müssen niemandem gezeigt werden.

Diese Rahmenbedingungen sind für das spontane Malen wichtig. Ohne sie können Druck, Ablenkung, Vergleich und Bewertung entstehen. Die Bereitschaft zum persönlichen, bildnerischen Ausdruck ist eine empfindsame Angelegenheit.

Der Malraum ist bewusst einfach gehalten (s. Beitrag der Malraum farbundsinn). Durch das Malen in der Gruppe entsteht eine spezielle Atmosphäre, die den Malenden stärkt und einbindet, ohne seine eigenen Ideen zu beeinflussen:

Du bist für dich und doch nicht alleine.

Alles was du brauchst ist da und vorbereitet

Du benötigst nichts als dich selber.

Beim Malen kannst du dich frei entfalten.

Du malst einfach, was der Pinsel malt.

Das Spielerische führt zum Schöpferischen, weil es über dem gewohnten Denken und Handeln steht.

Die Resultate im Malraum sind nicht geplant und nicht voraussehbar.

Die entstandenen Bilder müssen nicht interpretiert oder verstanden werden.

Die entstandenen Bilder sind Ausdruck des Moments und der aktuellen Verfassung.

Sie helfen, Moment, Erlebtes, oder Verfassung nonverbal auszudrücken.

Das im Voraus Gewusste, das vor dem inneren Auge bereits Geschaffene, ist nur ein kleiner Teil dessen, was sich dann während des Gestaltungsprozesses entwickelt.

Die entstandenen Bilder sind sehr persönlich, sie benötigen weder Erklärung noch Interpretation.

Das Wichtigste ist es, die Bilder und deren Darstellung einfach wahrzunehmen und willkommen zu heissen.

Durch das Akzeptieren, dass das Bild so sein darf wie es ist, können Gefühle und Stimmungen eingeordnet und verarbeitet werden.

Der/die Malende ist niemandem Rechenschaft schuldig.

Je mehr er/sie sich dessen bewusst wird, desto unverstellter öffnet sich ihm/ihr das innere Bewegungsfeld, aus dem Starren wird das Lebendige.

Wenn ich entspanne und bereit bin, auf innere Impulse einzugehen, erlebe ich die Spuren, die ich auf dem Papier hinterlasse als eine Überraschung.

Nur auf Wunsch des Malenden kann über das Bild, oder über das Erlebte beim Malen gesprochen werden.


In diesem Prozess, der wie von selbst abläuft, tauche ich tief in die inneren Bilder ein, und bewege mich völlig frei auf dem Papier. Dabei gehe ich wie im Spiel, in träumerischer Selbstvergessenheit meiner Wege und gelange schliesslich zu einer Gestaltung, die sich aus der Grundstimmung meines Erlebens selbst entworfen hat.

Das Erleben des Augenblicks geht als wesentlicher Teil mit in die Gestaltung ein. Wichtig ist, dass ich entspanne und bereit bin, auf innere Impulse zu reagieren. Dann erlebe ich die Spuren, die ich auf dem Blatt hinterlasse, als eine Überraschung und kann mich ihrem Verlauf überlassen. Der Sinn, im Malraum zu malen, besteht in der Wichtigkeit, die ich diesem Prozess beimesse. Es ist selbsterklärend, dass dieses Malen in regelmässigen Abständen erfolgen sollte.

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